Das Corona-Virus und die Folgen für unsere Firmenkunden

Interview mit Gerold Schulze, Bereichsleiter Firmenkunden und Thomas Seitz, Gruppenleiter Firmenkunden

Stand: Dienstag, 17.3.2020, 14:00 Uhr

Herr Schulze, Herr Seitz, was für eine Herausforderung kommt nun auf unsere Gesellschaft zu?

Schulze: Nicht nur bei den Bürgerinnen und Bürgern wächst die Sorge, auch in der Wirtschaft ist sie spürbar. Durch die enge internationale Verflechtung der Wirtschaft treffen unsere Unternehmen auch die Auswirkungen dieser Pandemie an anderen Orten der Welt.
Noch kann niemand die Tragweite seriös beschreiben, welche die Pandemie auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland haben wird, weil aussagekräftige Konjunkturindikatoren erst mit einiger Verzögerung vorliegen werden. Allerdings spüren viele Unternehmen bereits erste Auswirkungen des Virus.

Seitz: Die Absage von Messen und Großveranstaltungen sowie der Rückgang der Reisetätigkeit wirkt sich auf die Dienstleistungsbranche aus, insbesondere auf Logistik, Handel, Gaststätten sowie Tourismus. Zugleich geht die Auslandsnachfrage zurück und internationale Lieferketten werden gestört, was sich auf die hiesige Produktion auswirkt.

Welche Maßnahmen werden zur Stabilisierung der Wirtschaft getroffen?

Schulze: Die Voraussetzungen für eine schnelle Stabilisierung der deutschen Wirtschaft sind gegeben. Mit präzisen, schnell wirkenden Sofortmaßnahmen wird auf die konjunkturelle Entwicklung durch das Corona-Virus reagiert, um die Wirtschaft so rasch wie möglich wieder auf ihren Wachstumspfad zurückzuführen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Ländern sowie mit unseren europäischen und internationalen Partnern.

Seitz: Sie haben sicherlich der Presse entnommen, dass die Politik ein umfangreiches Maßnahmenpaket - unter anderem durch Liquiditätshilfeprogramme der KfW - beschlossen hat. Bis diese Hilfen ankommen vergeht jedoch einige Zeit. Wir haben heute beschlossen, dass wir im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens Tilgungsstundungen bis zum 30.9.2020 genehmigen können. Damit unterstützen wir betroffenen Unternehmen bis zur Zusage durch die KfW/öffentlichen Hand.

Wie wird dies umgesetzt?

Seitz: Für die Beantragung der Förderkredite ist es notwendig, die wichtigen und richtigen Unterlagen parat zu haben. Welche das im Einzelnen sind erfahren Sie von Ihrem persönlichen Firmenkundenbetreuer bzw. Ihrer Firmenkundenbetreuerin.

Gerold Schulze
Thomas Seitz

Was empfehlen Sie ihren Kunden?

Schulze: Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir erwarten in den nächsten Wochen einen Ansturm auf die angekündigten Programme. Da gilt es schnell zu sein, damit keine Zeit verloren geht. Uns ist wichtig, dass wir erreichbar sind und dass wir eine aktive Kommunikation aufrechterhalten. Alle unsere Firmenkundenberater sind telefonisch und per E-Mail erreichbar. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir derzeit keine persönlichen Termine wahrnehmen können.

Wie wird Beschäftigung und Arbeit in den Unternehmen neben den Liquiditätshilfemaßnahmen weiter gesichert ?

Schulze: Für Beschäftigte und Unternehmen, die von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen sind, wird eine Flexibilisierung von Kurzarbeit und steuerliche Hilfen angeboten.

Was bedeutet das konkret? Wie wird das Kurzarbeitergeld flexibilisiert?

Seitz: Deutschland hat ein starkes System der sozialen Sicherung. Die damit verbundenen automatischen Stabilisatoren stützen die Konjunktur. Die Bundesregierung wird diese Stabilisatoren voll wirken lassen. Unsicherheit und kurzfristige Störungen der Handelsströme sollen nicht dazu führen, dass Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Dabei kann die Bundesregierung auf bewährte Instrumente zurückgreifen. Bis Anfang April wird die Kurzarbeiterregelung zielgerichtet angepasst. Dabei werden erleichterte Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld eingeführt:

  • Absenkung des Quorums der von Arbeitsausfall betroffenen Beschäftigten im Betrieb auf bis zu 10 %
  • teilweiser oder vollständiger Verzicht auf Aufbau negativer Arbeitszeitsalden
  • Kurzarbeitergeld auch für Leiharbeitnehmer
  • vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge durch die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Und wie sieht es mit den steuerlichen Hilfen aus?

Seitz: Um die Liquidität bei Unternehmen zu verbessern, werden die Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen, zur Senkung von Vorauszahlungen und im Bereich der Vollstreckung verbessert. Insgesamt wird den Unternehmen die Möglichkeit von Steuerstundungen in Milliardenhöhe gewährt. Die hierfür erforderliche Abstimmung mit den Ländern darüber hat das Bundesministerium der Finanzen eingeleitet.  

Können Sie da noch etwas in die Tiefe gehen?

Schulze: Die Gewährung von Stundungen wird erleichtert. Die Finanzbehörden können Steuern stunden, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte darstellen würde. Die Finanzverwaltung wird angewiesen, dabei keine strengen Anforderungen zu stellen. Damit wird die Liquidität der Steuerpflichtigen unterstützt, indem der Zeitpunkt der Steuerzahlung hinausgeschoben wird.

Vorauszahlungen können leichter angepasst werden. Sobald klar ist, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr voraussichtlich geringer sein werden, werden die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt. Die Liquiditätssituation wird dadurch verbessert.

Auf Vollstreckungsmaßnahmen (z. B. Kontopfändungen) beziehungsweise Säumniszuschläge wird bis zum 31. Dezember 2020 verzichtet, solange der Schuldner einer fälligen  Steuerzahlung unmittelbar von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen ist. Bei den Steuern, die von der Zollverwaltung verwaltet werden (z.B. Energiesteuer und Luftverkehrssteuer), ist die Generalzolldirektion angewiesen worden, den Steuerpflichtigen in entsprechender Art und Weise entgegenzukommen. Gleiches gilt für das Bundeszentralamt für Steuern, das bei seiner Zuständigkeit für die Versicherungssteuer und die Umsatzsteuer entsprechend verfahren wird.

Wie schwer wird der Wirtschaftsabschwung, der uns jetzt bevorsteht?

Seitz: Das weiß derzeit niemand. Klar ist jedoch, dass es erhebliche Auswirkungen auch auf die konjunkturelle Entwicklung weltweit haben wird. Wie stark die Rückschläge sind, wird vor allem davon abhängen wie schnell es gelingt, den Virus unter Kontrolle zu bringen. Wichtig ist, dass sowohl die Zentralbanken als auch z.B. die Bundesregierung sofort und klar reagiert haben, um die Unternehmen vor den noch unübersehbaren Risiken der Virus-Pandemie abzuschirmen.

Danke für das Gespräch, Herr Schulze und Herr Seitz.

Schulze / Seitz: Gerne.