Das Corona-Virus und die Folgen für die Finanzmärkte

Interview mit Thomas Huber, Bereichsleiter Privatkunden

Stand: Dienstag, 24.3.2020, 12:00 Uhr

Herr Huber. Die Börsenkurse sind letzte Woche dramatisch abgestürzt. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?

Ich bin schon mehr als 40 Jahre im Geschäft und habe schon einige Kursabstürze mitbekommen. Denken Sie an den Crash von 1987 oder die Russlandkrise 1987 - und natürlich die Finanzkrise 2008.

Sind diese Ereignisse vergleichbar mit der Corona-Krise?

Nein. Auch wenn sich die Börsenabstürze ähnlich anfühlen. Erleben wir momentan eine ganz andere Art von Krise. Die bisherigen Krisen haben sich meist dadurch ausgezeichnet, dass der Virus im Finanzsystem war. Denken Sie nur an die Immobilienblase in den USA, die zum Zusammenbruch von Lehman Brothers geführt hat - und letztendlich die Finanzkrise ausgelöst hat. Nun ist aber ein echter Virus der Auslöser, der die Welt in Unsicherheit bringt. Niemand weiß genau wie sich die Viruswelle weiter entwickeln wird. Niemand weiß wie lange das Virus unser öffentliches Leben einschränken und zum Erlahmen bringen wird. Einen vergleichbaren Schock habe ich noch nie erlebt.

Was ist noch so besonders an der Corona-Krise?

Der Schock, der uns alle erfasst und lähmt, unterscheidet sich grundsätzlich von den bisherigen Krisen. Eigentlich haben wir 2 Dimensionen: 1. Ein Angebotsschock durch unterbrochene Lieferketten und Engpässe im Güterverkehr, was zu Engpässen bei den produzierenden Unternehmen führt. 2. Ein Nachfrageschock der durch den abrupten Stillstand des öffentlichen Lebens eingetreten ist. Veranstaltungen werden abgesagt, Menschen reisen nicht mehr, Hotels leiden unter Stornierungen, Restaurants haben keine Gäste und das ließe sich noch beliebig fortsetzen.

Wie schwer wird der Wirtschaftsabschwung, der uns jetzt bevorsteht?

Das weiß derzeit niemand. Klar ist jedoch, dass es erhebliche Auswirkungen auch auf die konjunkturelle Entwicklung weltweit haben wird. Wie stark die Rückschläge sind, wird vor allem davon abhängen wie schnell es gelingt, den Virus unter Kontrolle zu bringen. Wichtig ist, dass sowohl die Zentralbanken als auch z.B. die Bundesregierung sofort und klar reagiert haben, um die Unternehmen vor den noch unübersehbaren Risiken der Virus-Pandemie abzuschirmen.

Was braucht es nun im Besonderen?

Was es vor allem braucht, sind Entscheider, die jetzt beherzt Führung übernehmen und schnelle, unbürokratische und wirksame Hilfsprogramme aufsetzen. Insbesondere wird es darum gehen, den betroffenen Unternehmen und Privatpersonen schnelle Liquiditätshilfen zu ermöglichen. Jetzt ist Zeit für Zukunftsgestalter. Deshalb haben wir in der Volksbank in der Ortenau bereits letzte Woche damit begonnen für unsere Kunden mit schnellen wirksamen Liquiditätsmaßnahmen zu unterstützen.

Was bedeutet die Corona-Krise für die Kapitalanlager?

Nach einem "schwarzen Montag" und einem "schwarzen Donnerstag" - und das in einer Woche - ist der DAX um über 30 % eingebrochen. Da muss auch ein erfahrener Banker erst einmal Luft holen. Was wir im Unterschied zu früheren vergleichbaren Börsenturbulenzen beobachtet haben, ist dass unsere Kunden sehr besonnen auf die Einbrüche reagiert haben. Dies ist vor allem auch darauf zurückzuführen, dass unsere Kunden in der Regel nicht in Einzelaktien investiert sind. Wir empfehlen unseren Kunden schon lange aktive gemanagte Fonds. Hier zeichnet es sich aus, dass Börsenprofis die Anlagen unserer Kunden managen. Natürlich sind auch diese Anlagen von der Börsenentwicklung betroffen. Aber bei weitem nicht in dem Maße wie z.B. der DAX.

Was heißt das konkret für Ihre Anleger?

Bei unseren Union-Investment-Privatfonds sehen wir Stand Donnerstag (19.03.2020, Anm. d. Red.) z.B. seit 1.1.2020 Kursentwicklungen von -7,34 % bis - 11,8 %. Betrachtet man die Entwicklung seit dem 1.1.2019 sind die Union-Investment-Privatfonds teilweise sogar noch in einer positiven Rendite. Hier haben unsere Fondsmanager denke ich einen guten Job gemacht.

Was empfehlen Sie ihren Kunden?

Wir empfehlen, auch auf Grund der von mir dargestellten Entwicklung von aktiv gemanagten Fonds, dass unsere Kunden im Rahmen der ursprünglichen Anlageziele in den Anlagen investiert bleiben. Kunden mit Fondssparplänen profitieren aktuell von günstigen Einstiegskursen.

Insgesamt rechnen wir damit, dass es uns gelingen wird, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wir glauben, dass sich die Börsen nach einer Eindämmung wieder erholen werden. Wir sind nach wie vor vom langfristigen Erfolg der Anlageklasse Aktien überzeugt. Denn eines möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal klar sagen. Die Krise wird dazu führen, dass die Zinsen aus unserer Sicht noch auf lange Zeit nieder und negativ bleiben werden. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen liegt Stand Dienstag (24.03.2020, Anm. d. Red.) bei -0,4 %. Eine 10-jährige Bundesanleihe rentiert mit -0,35 %.

Danke für das Gespräch, Herr Huber.

Gerne.