"Herzenssache" 2016

Preis der Volksbank in der Ortenau für soziales Engagement


Der Herzenssache-Preis 2016 geht an das Projekt „Oberkircher Lesepaten“

Die Jury war der Meinung:

Die Lesepatenschaft bei Kindern und Asylbewerbern zur Sprachförderung, hat aufgrund der positiven, lang anhaltende Ausstrahlungs- und Multiplikationseffekte überzeugt. Lesen bildet. Bildung stärkt Kommunikation und Selbstbewusstsein. Mithin hilft das mehr Verstehen beim Abbau von Barrieren im Kopf.

Wer liest ist beteiligt. Lesen ist die Voraussetzung für Bildung um Kommunikation und der Mensch wird so zum Teilnehmer in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen. Der Kinderschutzbund schafft mit seinem Angebot und den vielen ehrenamtlichen Helfern die Grundlagen dafür. Wer in Kinder aller Schichten investiert, wird die Gesellschaft positiv verändern. Ein nachhaltiges Projekt, das den persönlichen Wortschatz erweitern und die Freude am lebenslangen Lesen ermöglichen kann.

Kinder sind unser aller Zukunft, die ihnen vermittelten Werte werden uns morgen tragen. Den Kindern Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken, andere Kulturen gleichzeitig einzubinden, ist eine ganzheitlich durchdachte Initiative. Gerade vorlesen und lernen die richtigen Worte zu finden, ist die Voraussetzung für ein gutes Miteinander. In einer Welt voller schnelllebigen Medien ist das Vorlesen  nicht nur entschleunigend, es fördert wertvolle Beziehungen. Der dabei erlebte Kontakt zueinander ist dabei ein schätzenswertes und förderungswürdiges Gut.

Lesen ist der Schlüssel zu Bildung und Integration - Der Kinderschutzbund liefert mit seinem Konzept des Lesepaten einen unschätzbaren Beitrag für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, deren Einbindung in unsere Gesellschaft und Kultur - ich bin sehr froh, dass wir eine solche Initiative in der Ortenau haben und mit diesem Preis würdigen und unterstützen können.

v.l. Vorstand Clemens Fritz, Karin Baumann, Donata Apelt-Ihling, Beate Kuhn-Nepita, Vorstandsvorsitzender Markus Dauber und Vorstand Andreas Herz

Die Nominierten

Von den 48 eingereichten Projekten wurden drei von der Jury nominiert:

  • Die AMSEL Kontaktgruppe Ortenau für Multiple Sklerose Erkrankte
  • Das Projekt „Oberkircher Lesepaten“
  • Bernd Wiedemer mit seinem Projekt "Rollstuhltennis"

AMSEL-Kontaktgruppe Ortenaukreis

Die AMSEL ist eine Selbsthilfegruppe für Multiple Sklerose (MS) Erkrankte sowie deren Angehörige, Freunde und Bekannte im ganzen Landkreis. Sie ist eine Gruppe von Ehrenamtlichen, welche die Selbsthilfegruppen organisieren und damit MS-Kranke in ihrem Alltag unterstützen – und dies ganz konkret. 

Sich treffen, Freundschaften schließen und pflegen - die Tage mit Leben füllen, das ist eine der Aufgaben der AMSEL. Die AMSEL-Treffen sind in Offenburg, Haslach, Achern, Kappel-Grafenhausen, Oppenau und ganz neu in Ettenheim. Dort wird zum Beispiel gebastelt. Diese Basteltätigkeit trainiert die Fingerbeweglichkeit, fördert die Konzentration und sorgt für seelische Ausgeglichenheit. Die Gruppe war auch schon in der Kletterhalle oder bietet regelmäßig Nordic Walking oder Hypotherapie an. Regelmäßig gehen sie miteinander essen, sitzen gemütlich zusammen und tauschen sich über alles, was sie bewegt aus.  Ausflüge und eine jährliche Rollstuhlfreizeit stehen ebenso auf dem Programm.  Die AMSEL berät z. B. über die Hilfsmittelversorgung, Arztversorgung oder Reha-Versorgung. Bei Fragen und Streitthemen mit der Krankenkasse und der Rentenkasse steht sie an der Seite ihrer Patienten. Sie tauscht sich regelmäßig mit den Fachkräften innerhalb ihres Landesverbandes aus und stellt bei Bedarf entsprechende Kontakte her.

Die AMSEL will mit ihrem Engagement Menschen mit Multiple Sklerose ein inhaltlich reiches Leben geben. Und sie will Barrieren abbauen. Noch immer ist in den Köpfen von vielen Menschen die MS ein Buch mit sieben Siegeln. Entsprechend hoch sind die Hemmschwellen. Die Menschen sind unsicher – können nicht mit der Krankheit umgehen. Einem Menschen, der die Diagnose MS erhält, stellt sich erst mal die ganze Welt auf den Kopf. Die AMSEL will informieren, will Ängste rund um die Krankheit bei Betroffenen, Angehörigen aber auch in der Gesellschaft abbauen. Und vor allem will sie allen MS-Kranken und ihren Familien Mut machen… denn ein Leben mit MS ist lebenswert und auch bereichernd.

Bernd Wiedemer: „Offene Badische Rollstuhlmeisterschaften"

Bernd Wiedemer sitzt selbst seit 43 Jahren im Rollstuhl und weiß von was er spricht. Trotzdem hat er in den letzten Jahren sechs  offene Badische Rollstuhltennismeisterschaften und zwei Jugendmeisterschaften organisiert. Außerdem ist er selbst in der Rollstuhltennisgruppe „Ortenau" aktiv.

Nicht alle Sportler, die ein solches Schicksal haben, können ihren Sport aus eigenen Mitteln finanzieren, daher unterstützen die Vereine, Tennisclub Offenburg e.V. und der Tennisclub Lahr e.V,. die Offenen Badischen Rollstuhltennismeisterschaften.

Seit mehreren Jahren veranstalten die Vereine diese Offenen Badischen Rollstuhltennismeisterschaften, welche Wiedemer organisiert  und der Zuspruch zeigt,  dass sie auf dem richtigen Weg sind. Dieses Jahr wurden zum zweiten Mal auch noch eine Jugend Rollstuhltennismeisterschaft mit Erfolg durchgeführt. Diese Meisterschaft  ist das Highlight für die Rollstuhlakteure, da sie keine Profis sind, aber dennoch Spaß am Sport gefunden haben. Dadurch können die Sportler ihre körperlichen vitalen Funktionen der noch vorhandenen Muskeln erhalten oder versuchen diese weiter aufzubauen.

Ein großes Thema ist die Akzeptanz der Bevölkerung für Menschen mit Behinderungen und deren Leistungen sowie die Anerkennung und Inklusion - auch Förderung im weitesten Sinne. Durch die Aufnahme und Integration der behinderten Mitglieder, meist Rollstuhlfahrer, dem Engagement des Vereins, deren Behinderten Sportlern zu fördern, sieht Wiedemer die Vereine auf einem guten Weg.

Wenn sich viele Vereine und deren Mitglieder anschließen, das Verständnis für die Menschen mit Behinderung aufbringen würden, wäre das ein gelungener Multiplikator in der Integration Behinderter, so Wiedemer. Es ist ihm wichtig, dass die Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen durch diesen Sport weiter am selbstständigen Leben in der Gesellschaft teilhaben können. „Sprichwörtlich Inklusion die lebt und bewegt, das Miteinander fördert.“


Die Jury

Die Jury setzte sich zusammen aus Helena Gareis (Koordinatorin Kinder- und Jugendhospizdienst Ortenau), Prof. Dr. rer. pol. Thomas Baumgärtler (Hochschule Offenburg), Dirk Döbele (Geschäftsführer Vinzentius Offenburg GmbH), Achim Feyhl (Vorstandsvorsitzender Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch e.V.) und Clemens Fritz (Vorstand Volksbank in der Ortenau eG).

Schirmherrschaft

Der Preis steht unter der Schirmherrschaft von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble.

Quelle: Laurence Chaperon