"Herzenssache" 2017

Preis der Volksbank in der Ortenau für soziales Engagement

Der Volksbank in der Ortenau liegt nicht nur ihr Bankgeschäft am Herzen, sondern auch die soziale Verantwortung für Menschen und Organisationen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, welche oft nur durch ehrenamtlich tätige Mitmenschen geleistet werden kann. „Ausgehend von der eigenen positiven Erfahrung wollten wir auch in diesem Jahr mit unserem Preis „Herzenssache“ anderen – ebenso anerkennenswerten Projekten und ehrenamtlichem Engagement – eine Bühne bieten, so Markus Dauber, Vorstandsvorsitzender der Volksbank in der Ortenau. „Wir freuen uns, dass so viele bemerkenswerte Projekte eingereicht wurden. Den Preis verdient, hätten sie alle. Und wir hoffen, wir konnten mit unserer Aktion viele Menschen in unserer Region dazu motivieren auch selbst ehrenamtlich aktiv zu werden“.

Der Gewinner des "Herzenssache"-Preises 2017 für soziales Engagement steht fest: die Eheleute Fridolin und Roswitha Bohn mit ihrer "Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen zu Hause“! Ebenfalls nominiert waren die AMSEL Kontaktgruppe Ortenaukreis und die Eheleuten Rittmann mit ihrem Projekt "Bogensport mit geistig Behinderten".


Der Herzenssache-Preis 2017 geht an das Projekt „Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen zu Hause“

Die Jury war der Meinung:

Dass Menschen sich in einer selbstlosen, aufopferungsvollen Art und Weise für andere schwerstkranke Menschen einsetzen, sie auf ihrem letzten Weg liebevoll begleiten, ist ein großes, ja unbezahlbares Geschenk für unsere Gesellschaft, in der Zeit und Mitgefühl oft zu kurz kommen. Sie begleiten seit 17 Jahren Menschen in der größt vorstellbaren Lebenskrise. Roswitha und Fridolin Bohn stehen unermüdlich zu zweit, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, den Menschen zur Seite. Bei intensiven Sterbebegleitungen, rund um die Uhr, wechseln sie sich gegenseitig ab, um den betroffenen Menschen in seiner großen Not nicht alleine zu lassen. Ihr persönlicher Zeitaufwand geht weit über das übliche ehrenamtliche Engagement hinaus. Das Ehepaar Bohn ist phasenweise täglich im Einsatz.

Mit dem diesjährigen Herzenspreis möchten wir ein solch umfassendes Engagement besonders herausstellen, welches die Eheleute Bohn mit ihrer Hospizarbeit schon seit vielen Jahren leisten – es gilt diesen beiden gleichermaßen unser größter Respekt und Dank für den unermüdlichen Einsatz an unseren Mitmenschen.

v.l. Vorstandsvorsitzender Markus Dauber, Fridolin Bohn, Roswitha Bohn, Vorstand Clemens Fritz und Vorstand Andreas Herz

Die Nominierten

„Multiple Sklerose: Leben ist heute - Integration ist wichtig“ - AMSEL-Kontaktgruppe Ortenaukreis

Die AMSEL ist eine Selbsthilfegruppe für Multiple Sklerose (MS) Erkrankte sowie deren Angehörige, Freunde und Bekannte im ganzen Landkreis. Sie ist eine Gruppe von Ehrenamtlichen, welche die Selbsthilfegruppen organisieren und damit MS-Kranke in ihrem Alltag unterstützen – und dies ganz konkret.

Sich treffen, Freundschaften schließen und pflegen - die Tage mit Leben füllen, das ist eine der Aufgaben der AMSEL. Die AMSEL-Treffen sind in Offenburg, Haslach, Achern, Kappel-Grafenhausen, Oppenau und in Ettenheim. Dort wird zum Beispiel gebastelt. Diese Basteltätigkeit trainiert die Fingerbeweglichkeit, fördert die Konzentration und sorgt für seelische Ausgeglichenheit. Die Gruppe war auch schon in der Kletterhalle oder bietet regelmäßig Nordic Walking oder Hypotherapie an. Regelmäßig gehen sie miteinander essen, sitzen gemütlich zusammen und tauschen sich über alles, was sie bewegt aus.  Ausflüge und eine jährliche Rollstuhlfreizeit stehen ebenso auf dem Programm.  Die AMSEL berät z. B. über die Hilfsmittelversorgung, Arztversorgung oder Reha-Versorgung. Bei Fragen und Streitthemen mit der Krankenkasse und der Rentenkasse steht sie an der Seite ihrer Patienten. Sie tauscht sich regelmäßig mit den Fachkräften innerhalb ihres Landesverbandes aus und stellt bei Bedarf entsprechende Kontakte her.

Die AMSEL will mit ihrem Engagement Menschen mit Multiple Sklerose ein inhaltlich reiches Leben geben. Und sie will Barrieren abbauen. Noch immer ist in den Köpfen von vielen Menschen die MS ein Buch mit sieben Siegeln. Entsprechend hoch sind die Hemmschwellen. Die Menschen sind unsicher – können nicht mit der Krankheit umgehen. Einem Menschen, der die Diagnose MS erhält, stellt sich erst mal die ganze Welt auf den Kopf. Umso wichtiger ist die Integration. Die AMSEL will informieren, will Ängste rund um die Krankheit bei Betroffenen, Angehörigen aber auch in der Gesellschaft abbauen. Und vor allem will sie allen MS-Kranken und ihren Familien Mut machen… denn ein Leben mit MS ist lebenswert und auch bereichernd. Und Leben ist heute.

„Bogensport mit geistig Behinderten“ - Eheleute Hans und Marita Rittmann

Seit 2010 ist das Ehepaar Rittmann ehrenamtlich an der Astrid-Lindgren-Schule in Hesselhurst im Bereich Bogenschießen tätig. Sie haben mehrere Bogensportgruppen an der Schule unter Einbezug der Eltern aufgebaut. Sie stehen für den Aufbau und die Gestaltung und Pflege der Bogensportplätze an der Astrid-Lindgren-Schule – und ihnen ist es zu verdanken, dass Bogenschießen als Sportart bei den Special Olympics anerkannt wurde.

Durch ihre Beharrlichkeit und vor allem durch das erfolgreiche Auftreten der Schülerinnen und Schüler bei vielen regionalen und überregionalen Wettbewerben und Meisterschaften, haben sie zwei Ziele erreicht, nämlich Inklusion und Integration: Menschen mit einer geistigen Behinderung dürfen inzwischen an allen regulärem Wettbewerben teilnehmen. Die Behinderung ist kein Kriterium mehr, das in irgendeiner Form relevant ist (Inklusion).

Bogenschießen wurde als Sportart bei den Special Olympics anerkannt. Bis ins Jahr 2017 galt diese Sportart als zu gefährlich für Menschen mit geistiger Behinderung. Marita und Hans Rittmann haben mit den Schülerinnen und Schülern der Schule für geistig Behinderte bewiesen, dass Bogenschießen absolut ungefährlich ist und eine geradezu ideale Sportart für Menschen mit geistiger Behinderung (Integration) darstellt.

Nun haben alle Menschen mit geistiger Behinderung die Wahl, wie sie die Sportart ausüben möchten, inklusiv oder im beschützten Rahmen von Special Olympics.

Die Eheleute Rittmann leisten im Ehrenamt einen Vollzeit-Job. Sie üben täglich mit Schülergruppen das Bogenschießen und organisieren und begleiten Wettbewerbe am Wochenende und in den Schulferien. Herr Rittmann ist täglich vor Ort, neben den Trainingseinheiten hat er den gesamten Bogensportplatz der Schule aufgebaut und pflegt und unterhält ihn. Dabei werden ehemalige Schüler und die Eltern anderer Schüler/innen der Schule miteinbezogen.


Die Jury

Die Jury setzte sich zusammen aus Helena Gareis (Koordinatorin Kinder- und Jugendhospizdienst Ortenau), Prof. Dr. rer. pol. Thomas Baumgärtler (Hochschule Offenburg), Dirk Döbele (Geschäftsführer Vinzentius Offenburg GmbH), Achim Feyhl (Vorstandsvorsitzender Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch e.V.) und Clemens Fritz (Vorstand Volksbank in der Ortenau eG).

Schirmherrschaft

Der Preis steht unter der Schirmherrschaft vom Präsidenten des Bundestags Dr. Wolfgang Schäuble.

Quelle: Laurence Chaperon