"Herzenssache" 2018

Preis der Volksbank in der Ortenau für soziales Engagement

Knapp 30 Projekte aus dem gesamten Geschäftsgebiet der Volksbank in der Ortenau haben sich in 2018 für den Herzenssache Preis für soziales und ehrenamtliches Engagement der Volksbank in der Ortenau beworben. Alle eingereichten Projekte und Aktivitäten waren beeindruckend. „Alle verdienen unser aller Respekt und unsere Unterstützung“, so Clemens Fritz, Vorstand der Volksbank in der Ortenau eG.

Der Gewinner des "Herzenssache"-Preises 2018 für soziales Engagement steht fest: das Projekt "Seelischer Beistand in den dunkelsten Stunden" des Kriseninterventionsteams (KIT) aus Achern! Ebenfalls nominiert waren Michael Huber, der seit über 36 Jahren ehrenamtlich an Sonn- und Feiertagen "Essen auf Rädern" ausfährt, sowie die Pflasterstube St Ursulaheim Offenburg mit ihrem Projekt "Medizinische Versorgung der Obdachlosen in der Ortenau".


Der Herzenssache-Preis 2018 geht an das Projekt "Seelischer Beistand in den dunkelsten Stunden" des Kriseninterventionsteams (KIT) aus Achern

Menschen werden zumeist unvorbereitet durch plötzlich eintretende Not- und Unglücksfälle aus der Normalität ihres Lebens herausgerissen: Wenn Eltern durch das plötzliche Versterben ihres Kindes wie gelähmt sind, die Polizei nach einem schweren Verkehrsunfall der Familie die Nachricht über den Tod des Vaters überbringen muss oder Menschen mit dem Suizid eines nahen Angehörigen oder Freundes zurechtkommen müssen.

Die zwölf ehrenamtlichen Mitglieder des KIT sind zur Stelle und verstehen sich als Menschen unter Menschen, die im Falle eines Schicksalsschlages seelischen Beistand, Begleitung und Hilfe für Betroffene, Überlebende, Hinterbliebene, Zeugen und Rettungskräfte leisten.

Sinn und Zweck ist es, Menschen in den ersten schweren Stunden zu begleiten, bis sie wieder seelisch stabil und in einem festen Gefüge sind. So viel Zeit wie dies braucht, so lange sind die Helfer des KIT für die Betroffenen da.

Die Aufgaben sind: „Erste Hilfe für die Seele“, da sein, zuhören, Beistand leisten, vermitteln  notwendiger Informationen, Aktivierung des sozialen Netzwerkes, individuelle Abschiednahme und Begleitung, bei Bedarf Organisation weiterführender Hilfen, Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben, Nachbetreuung von Betroffenen bei Bedarf, ebenso für betroffene Einsatzkräfte, welche oft Probleme haben, die Bilder und  Eindrücke von schweren Geschehnissen zu verarbeiten. Die Mitarbeiter des KIT sind kurzfristig und zu jeder Zeit vor Ort, bei Bedarf auch mit mehreren Teams.

v.l. die Juroren Prof. Thomas Baumgärtler (Hochschule Offenburg) und Helena Gareis (Leiterin Kinder- und Jugendhospiz), Andreas Herz (Vorstand), Sabine Allgeier, Angelika Lehnerer, Josef Steinel und Renate Kopf vom Kriseninterventionsteam, Markus Dauber (Vorstandsvorsitzender) und Clemens Fritz (Vorstand)

Die Nominierten

Michael Huber – „Förderung und Erhalt der Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum - Essen auf Rädern“

Micheal Huber fährt seit über 36 Jahren an Sonn- und Feiertagen ehrenamtlich "Essen auf Rädern" in Oppenau und Außengemeinden aus. Gemäß den Personen, die ihn nominiert haben, ist er an Zuverlässigkeit nicht zu überbieten. Es ist außerordentlich, über einen solch langen Zeitraum, ein solches Ehrenamt zu zeigen. Michael Huber geht es vor allem um die Versorgung von alten, hilfsbedürftigen und sozial schwachen Menschen im ländlichen Raum. Viele Bedürftige können durch diese Versorgung länger im gewohnten Umfeld verbleiben. Das ist ihm wichtig.

Pflasterstube St. Ursulaheim Offenburg – „Medizinische Versorgung der Obdachlosen in der Ortenau“

Die obdachlosen Menschen leben am Rande der Gesellschaft. Es kann jeden treffen. Vom Arbeitslosen, Behinderten bis hin zum Akademiker. Sie verlieren ihre Würde und schämen sich, dass sie versagt haben. Sie fühlen sich wertlos, da sie die erwartete Leistung nicht mehr erbringen können. Umso länger der Zustand andauert, umso hilfloser wird der Mensch. Der Förderverein der Pflasterstube hat es sich zur Aufgabe gemacht medizinisch nicht – und unterversorgten auf der Straße lebenden, Obdach- und Wohnungslosen wieder den Weg zu einer medizinischen Grundversorgung zu öffnen. Zehn ehrenamtliche Ärztinnen und Ärzte helfen stundenweise. Eine Fach-Krankenschwester und eine Basishelferin müssen finanziert werden. Mit dem Pflastermobil, das mobile Sprech- und Behandlungszimmer, wird Lahr und Kehl angefahren. Eine Zahnärztin behandelt im Pflastermobil und in der Pflasterstube. Sie haben es mit dem gesamten Krankengut zu tun. Eine hohe, jahrelange, ehrenamtliche Tätigkeit, die neben der medizinischen Aufgabe auch in vielen Gesprächen versucht wieder Vertrauen aufzubauen und den Betroffenen und ihrem Leben wieder eine Würde zu geben. Sie wollen erreichen, dass die Obdachlosen selbst wieder Verantwortung für ihren Körper und ihre Gesundheit, übernehmen. Gemäß der Pflasterstube muss alles darangesetzt werden, den Menschen wieder ein Obdach zu geben. Nur so könne es gelingen, wenn auch sehr selten, sie dem öffentlichen Arbeitsmarkt zurückzugeben.


Die Jury

Die Jury setzte sich zusammen aus Dirk Döbele (Geschäftsführer Vinzentiushaus Offenburg GmbH), Helena Gareis (Koordinatorin Kinder- und Jugendhospizdienst Ortenau), Achim Feyhl (Vorstandsvorsitzender Lebenshilfe Offenburg - Oberkirch e.V.), Prof. Dr. rer. pol. Thomas Baumgärtler (Hochschule Offenburg) und Clemens Fritz (Vorstand Volksbank in der Ortenau).

Schirmherrschaft

Der Preis steht unter der Schirmherrschaft vom Präsidenten des Bundestags Dr. Wolfgang Schäuble.

Quelle: Laurence Chaperon