"Herzenssache 2020"

Preis der Volksbank in der Ortenau für soziales ehrenamtliches Engagement

Sonder - Herzenssache Preis 2020 - Best of

In Zeiten von Corona wollen wir keinen Herzenssache-Preis-Wettbewerb um die „besten“ Plätze ausrufen.

Deshalb haben wir in Abstimmung mit der Jury entschlossen, den Herzenssache Preis in diesem Jahr „anders“ zu gestalten und den außergewöhnlichen Umständen anzupassen.

Der Herzenssache Preis 2020 wird "ausgesetzt".

Stattdessen bieten wir den bisherigen Teilnehmern und ganz besonders den Siegern und den Nominierten erneut eine Bühne in der Öffentlichkeit und zeigen ein Best of der Jahre 2016 bis 2019.

Zusätzlich zur öffentlichen Aufmerksamkeit erhalten alle 64 Projekte, die in den letzten vier Jahren die Teilnahmebedingungen erfüllt haben, eine Spende. (Mehrfachbewerbungen zählen wie eine Bewerbung)

Die Volksbank stellt dafür einen Spendentopf in Höhe von fast 32.000 Euro zur Verfügung.

Die Bewerbungen, die für den Herzenssache Preis 2020 bereits eingegangen sind , werden angeschrieben, dass ihre Bewerbungen für 2021 vorgemerkt werden.


Best of 2019

Gewinner: TelefonSeelsorge Ortenau-Mittelbaden e.V.

Best of 2018

Gewinner: Kriseninterventionsteam (KIT) Achern

Best of 2017

Gewinner: Hospizverein Offenburg e.V.

Best of 2016

Gewinner: Oberkircher Lesepaten


Herzenssache-Preis - NACHGEFRAGT - Interviews mit den Gewinnern 2016 bis 2019

Der Herzenssache-Preis hat die Aufgabe besonderes soziales, ehrenamtliches Engagement im Geschäftsgebiet der Volksbank in der Ortenau sichtbar zu machen.

Normalerweise bewerben sich ehrenamtliche Vereine und Institutionen um den Preis. Aus diesen kürt eine externe Expertenjury drei Nominierte und daraus einen Gewinner.

In diesem Jahr ist jedoch alles anders. In Zeiten von Corona wollen wir keinen Herzenssache-Preis-Wettbewerb um die „besten“ Plätze ausrufen, sondern den bisherigen Teilnehmern und ganz besonders den Siegern der vergangenen Jahre erneut eine öffentliche Bühne bieten. Es ist uns eine Herzenssache in dieser schwierigen Zeit nicht nur einzelne Vereine, sondern in der Breite zu unterstützen. Alle Projekte, die in den letzten vier Jahren die Teilnahmebedingungen erfüllt haben, erhalten eine Spende von je 500 Euro. Die Volksbank stellt dafür einen Spendentopf in Höhe von 32.500 Euro zur Verfügung.

Wir wollten wissen, wie es den bisherigen Siegern des Herzenssache-Preises in der Zwischenzeit ergangen ist. Deshalb haben wir NACHGEFRAGT.

Herzenssache 2016 - Interview mit Donata Apelt-Ihling

Unser erster Interviewpartner ist Donata Apelt-Ihling.

Mit dem Projekt "Oberkircher Lesepaten", einer Kooperation des KSG Ortenau/ Ortsverein Oberkirch und der Johann-Wölfflin-Grundschule, Oberkirch war ihre Initiative der Gewinner 2016.

Bank: Frau Apelt-Ihling, es ist schon einige Zeit her, dass Sie den Herzenssache-Preis gewonnen haben, denn Sie waren der erste Herzenssache-Preis Sieger im Jahr 2016, der Geburtsstunde des Sozialpreises der Volksbank in der Ortenau. Wie hat sich Ihre „Herzenssache“ seit der Preisverleihung entwickelt?

Apelt-Ihling: Als wir 2016 als erste den Herzenssache-Preis gewonnen haben, war dies eine ganz besondere Auszeichnung und Sichtbarmachung für unsere Initiative. Ich erinnere mich noch gut an den Augenblick, als es bei der großen Veranstaltung der Volksbank hieß: „Und die Gewinner sind… die Oberkircher Lesepaten“. Das hat uns zum einen sehr viel positive Resonanz, zum anderen natürlich große Aufmerksamkeit eingebracht.

Unsere ehrenamtliche Initiative "Oberkircher Lesepaten" hat sich seit dem Start im Jahr 2012 kontinuierlich fortentwickelt. Sie fördert und unterstützt besonders Kinder mit Migrationshintergrund. Nachdem wir 2016 den Herzenssache-Preis gewonnen hatten, konnten wir diese großartige Auszeichnung nutzen, um uns noch mehr bekannt zu machen und unser Engagement hat noch mehr Wertschätzung erfahren.  In der Folge wurden wir 2018 mit dem Integrationspreis Ortenau ausgezeichnet und im Jahr 2019 erhielten  wir vom Unterstützungsfond Eurodistrikt eine Förderung.

Für unser Projekt ist es sehr wichtig - neben der wöchentlichen eins zu eins Betreuung von Lesepate und Lesepatenkind, den Zusammenhalt und Kontakt unserer Kinder und der Ehrenamtlichen durch jährliche Sommerfeste zum Schuljahresende, Lesungen oder auch Workshops für die Lesepaten regelmäßig zu fördern und zu unterstützen. Im vergangenen Jahr konnten wir sogar im Rahmen der Eurodistrikt-Förderung einen interkulturellen Ausflug nach Strasbourg mit kindgerechter Stadtführung umsetzen.

Bank: Das hört sich so an, als ob Sie schon vieles verwirklichen konnten. Aber sicher haben Sie doch noch Wünsche. Verraten Sie uns: Wenn Sie drei Wünsche für Ihr soziales Projekt frei hätten – welche wären das?

Apelt-Ihling: Sicher – die Wünsche gehen nie aus: Lassen Sie mich kurz überlegen.

Wunsch Nr. 1: Wir wünschen uns finanzielle Rücklagen für einen jährlichen Tagesausflug mit allen Kindern und Lesepaten und auch für Autorenlesungen.

Wunsch Nr. 2: Wäre die Ausweitung unseres Engagements zur Ernährungsbildung für Kinder mit der Sarah Wiener Stiftung "ich kann kochen". Das ist eine Ernährungsbildung mit allen Sinnen. Ich kann kochen! möchte Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren für das Kochen und eine ausgewogene Ernährung begeistern, also genau unsere Zielgruppe!  Kochen macht Spaß – und Sinn. Der Griff zu Schneidebrett und Kochlöffel macht das Zubereiten von Lebensmitteln zum Erlebnis. Das gemeinsame Kochen vermittelt Ernährungswissen und fördert wirkungsvoll die Gesundheit der Kinder.

Und unser dritter Wunsch speist sich aus der jüngsten Vergangenheit: Nämlich die Rückkehr zur Normalität und zu einem geregelten Schulbetrieb!

Bank: Eine Frage zum Schluss: Was sind die nächsten Projekte und Aktivitäten, die Sie angehen wollen und wozu werden Sie die Spende der Volksbank in der Ortenau einsetzen?

Apelt-Ihling: Wir haben verschiedene Projekte, denen unsere Aufmerksamkeit gilt und für die wir die Spende einsetzen wollen. Zum einen wollen wir das Abonnement der "Kunterbunten Kinderzeitung" fortführen. Die kunterbunte Kinderzeitung ist eine werbefreie Zeitung für Kinder im Grundschulalter. Sie fördert das regelmäßige Lesen, ohne die Kinder zu überfordern. Durch die große Schulschrift, die kleinen Textmengen und die kurzen Artikel haben auch Kinder, die noch nicht so gut lesen können, schnell ein Erfolgserlebnis. Im Unterricht wird der Einsatz im 2. und 3. Schuljahr empfohlen. Bei der Arbeit mit leseschwachen Schülern wird die Zeitung länger genutzt. Inzwischen gibt es in Deutschland schon über 5.000 Lesepaten, die mit der Zeitung arbeiten.

Ein weiteres, ganz besonderes Projekt ist die zweisprachige Lesung mit der Autorin Zaeri-Esfahani für die Kinder der Johann-Wölfflin-Grundschule als Schulveranstaltung. Hier wird das Bilderbuch „Wenn es so einfach wäre“ auf Deutsch und auf Persisch vorgelesen. Mittels einer Power Point-Präsentation wird das Buch gemeinsam virtuell geblättert. Anschließend kann im Gespräch „philosophiert“ werden – über Rollenzuschreibungen, eigene Identitätsfindung, Vorurteile oder die eigenen Wünsche und Träume.

Ein Workshop für die Lesepaten mit Martina Schackmann zum Thema "Diaglogisches Lesen, zur Förderung der Sprachentwicklung von Kindern" sind ebenso in der Pipeline, wie das Weihnachtstreffen der Lesepaten und ihrer Kinder als Ersatz für den Sommerabschluss.

Klar ist, dass alle Veranstaltungen, an denen ein größerer Personenkreis teilnehmen wird, natürlich unter Vorbehalt der Restriktionen durch Covid-19 behandelt wird.

Bank: Vielen Dank Frau Apelt-Ihling für den interessanten Einblick in Ihr Projekt „Oberkircher Lesepaten“ – vier Jahre nach dem Start des Herzenssache-Preises. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und bleiben Sie alle gesund.

Herzenssache 2017 - Interview mit Fridolin Bohn

Unser Interviewpartner ist Fridolin Bohn vom Hospizverein Offenburg e.V. Er und seine Frau Roswitha haben mit ihrem außergewöhnlichen Engagement in der Sterbebegleitung den Herzenssache-Preis 2017 gewonnen.

Bank: Herr Bohn, es war ein bewegender Moment, als Sie 2017 Bohn zum Sieger des zum zweiten Mal ausgelobten Herzenssache-Preises ernannt wurden. Mit Ihrem Projekt „Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehörigen direkt bei den Menschen zu Hause“ begleiten Sie mit Ihrer Frau seit nunmehr 20 Jahren Menschen in der größt vorstellbaren Lebenskrise. Sie haben die Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen in der Ortenau zu Ihrer Herzenssache gemacht. Sie stehen unermüdlich, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, den Menschen zur Seite. Bei intensiven Sterbebegleitungen, rund um die Uhr, wechseln Sie sich gegenseitig ab, um den betroffenen Menschen in seiner großen Not nicht allein zu lassen. Ihr persönlicher Zeitaufwand geht weit über das übliche ehrenamtliche Engagement hinaus. Hat Ihre Auszeichnung auch Auswirkungen auf den Hospizverein gehabt? Wie hat sich Ihre „Herzenssache“ seit der Preisverleihung entwickelt?

Bohn: Da haben Sie recht. Es war wirklich ein sehr bewegender Moment, zumal wir überhaupt nicht damit gerechnet haben, dass wir den Preis gewinnen. Wir hatten ja auch zwei starke Mitbewerber, die „AMSEL Gruppe Ortenau“ und den „Bogensport mit geistig behinderten Menschen“, die beide sehr interessante Projekte vorgestellt haben und auf jeden Fall den Preis ebenso verdient hatten wie wir.

Der Herzenssache-Preis war für uns alle ein Gewinn. Für uns persönlich war es eine ausgesprochene Wertschätzung unseres persönlichen Engagements. Aber auch der Hospizverein hat davon profitiert. Der Hospizverein Offenburg e.V. zeigt seit dem Gewinn des Herzenssache-Preises eine gute Entwicklung. Die Zahl der begleiteten Menschen ist konstant bzw. leicht gestiegen; die Gesellschaft nimmt die Hospiz- und Palliativarbeit etwas stärker wahr. Dies ist aber dennoch sehr ausbaufähig. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie haben seit März 2020 zu einem massiven Einbruch der Begleitungszahlen sowie der Spenden geführt, dessen Konsequenzen noch nicht abzuschätzen sind. Hier hoffen wir, dass bald wieder mehr Normalität einkehrt.

Bank: Wenn nun die berühmte Fee käme und Sie drei Wünsche für Ihr soziales Projekt frei hätten – welche wären das?

Bohn: Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Wünsche hat man immer.

Wunsch 1: An erster Stelle würde eine weiter steigende Aufmerksamkeit für die ambulante Hospizarbeit bei ERWACHSENEN in der Gesellschaft stehen. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was genau Hospizvereine machen. Wie sie helfen und unterstützen. Menschen mit schweren Erkrankungen, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist, bedürfen einer palliativ-medizinischen Versorgung, bei der nicht mehr die Heilung und Lebensverlängerung im Vordergrund stehen, sondern der bestmögliche Erhalt der Lebensqualität. Dazu zählen Nähe, Zuwendung sowie die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen. Hospize wollen den Menschen auf der letzten Wegstrecke ein Zuhause geben. Dafür sind wir da. In unserem speziellen Fall begleiten wir diese Menschen in ihren eigenen vier Wänden.

Wunsch 2: Um dies alles leisten zu können, brauchen wir natürlich Menschen, die bereit sind uns zu unterstützen. D.h. wir wünschen uns eine steigende Bereitschaft der Menschen, ein Ehrenamt zu übernehmen. Denn getragen wird der Hospizverein neben dem Einsatz einiger Hauptamtlicher vor allem von der Überzeugungskraft und dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage wünschen sich 66 Prozent der Befragten zu Hause zu sterben. Angesicht dieses steigenden Bedarfs fehlt es daher auch heute noch vielerorts an einer angemessenen Betreuung schwerstkranker Menschen, die den körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen Bedürfnissen am Lebensende umfassend Rechnung trägt und die Angehörigen und Nahestehenden einbezieht. Was wir uns also wünschen sind MENSCHEN.

Wunsch 3: Was wir dringend brauchen, ist ein höheres Spendenaufkommen, um die Existenz des Vereins langfristig zu sichern und Angebote ausbauen zu können. Zum Beispiel würden wir gerne die Angebote für Trauernde, die finanziell nicht unterstützt werden, erweitern.

Bank: So wie wir den Hospizverein und vor allem Sie und Ihre Frau kennengelernt haben, haben Sie sicher schon wieder Pläne für die Zukunft.  Was sind die nächsten Projekte und Aktivitäten, die Sie angehen wollen und wozu werden Sie die Spende der Volksbank in der Ortenau einsetzen?

Bohn: Ja natürlich haben wir Projekte auf unserer Agenda. Denn Sterben ist ein immerwährendes Thema, das jeden von uns einmal betrifft. Da gibt es kein Stillstehen. Begleitung im Sterben heißt Hilfe zum Leben – zum Leben bis zuletzt. In dieser letzten Lebenszeit wird die ganzheitliche Betreuung für den Menschen besonders wichtig. Dazu gehört, dass wir uns schwerkranken und sterbenden Menschen, ihren Angehörigen und Freunden persönlich zuwenden, ihnen Beratung anbieten und sie darin unterstützen, voneinander Abschied zu nehmen. Dafür brauchen wir wie gesagt Menschen. Menschen, für die eine entsprechende Aus- und Fortbildung unerlässlich ist. Deshalb wollen wir weiter in die Aus- und Fortbildung neuer ehrenamtlicher Sterbebegleiter, aber auch in die Aus- und Fortbildung neuer ehrenamtlicher Trauerbegleiter investieren. Und um noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, wollen wir dringend unsere Öffentlichkeitsarbeit ausweiten.

Bank: Vielen Dank Herr Bohn. Die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehörigen ist und bleibt ein hoch emotionales Thema, auf das man nicht genug aufmerksam machen kann. Wir wünschen Ihnen, dass Sie noch viel mehr Unterstützung von Ehrenamtlichen erhalten, um so den Menschen in wohl einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens zu Seite stehen zu können.

Herzenssache 2018 - Interview mit Angelika Lehnerer

Der Gewinner 2018 war das Kriseninterventionsteam – kurz genannt KIT – aus Achern. Angelika Lehnerer hat unsere Fragen beantwortet.

Bank: Frau Lehnerer, Menschen werden zumeist unvorbereitet durch plötzlich eintretende Not- und Unglücksfälle aus der Normalität ihres Lebens herausgerissen: Wenn beispielsweise Eltern durch das plötzliche Versterben ihres Kindes wie gelähmt sind, die Polizei nach einem schweren Verkehrsunfall der Familie die Nachricht über den Tod des Vaters überbringen muss oder Menschen mit dem Suizid eines nahen Angehörigen oder Freundes zurechtkommen müssen – dann sind Sie und die ehrenamtlichen Helfer des KIT zur Stelle. Wie hat sich Ihre „Herzenssache“ seit der Preisverleihung entwickelt?

Lehnerer: Das Projekt, mit dem wir den Herzenssache-Preis 2018 gewonnen haben, heißt „Seelischer Beistand in den dunkelsten Stunden“. Und das ist wirklich so. Wir verstehen uns als Menschen unter Menschen, die im Falle eines Schicksalsschlages seelischen Beistand, Begleitung und Hilfe für Betroffene, Überlebende, Hinterbliebene, Zeugen und aber auch für Rettungskräfte leisten. Sinn und Zweck ist es, Menschen in den ersten schweren Stunden zu begleiten, bis sie wieder seelisch stabil und in einem festen Gefüge sind. So viel Zeit wie dies braucht, so lange sind die Helfer des KIT für die Betroffenen da.

Und ja – der Herzenssache-Preis hat uns sehr geholfen. Wir haben eine noch größere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erfahren. Unser gesamtes Team hat hohen persönlichen Zuspruch erfahren, wie dankbar die Menschen um solch eine Einrichtung und unsere Arbeit sind. Es gab auch Anfragen von Interessierten für eine Mitarbeit im KIT, über die wir uns natürlich sehr gefreut haben.

Bank: Wenn Sie drei Wünsche für Ihr soziales Projekt frei hätten – welche wären das?

Lehnerer: Wünsche hat man immer. Aber es gibt tatsächlich Wünsche, die dringender sind und die auf unserer Liste ganz oben stehen.

Wunsch 1:  Als erstes würden wir uns weitere qualifizierte hohe Fortbildung für unsere Ehrenamtlichen wünschen. Unsere Aufgaben sind zum Beispiel als „Erste Hilfe für die Seele“, da zu sein. Zuhören, Beistand leisten, vermitteln notwendiger Informationen, Aktivierung des sozialen Netzwerkes, individuelle Abschiednahme und Begleitung, bei Bedarf die Organisation weiterführender Hilfen, Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben, Nachbetreuung von Betroffenen, falls nötig und erwünscht, ebenso für betroffene Einsatzkräfte, welche oft Probleme haben, die Bilder und  Eindrücke von schweren Geschehnissen zu verarbeiten. Sie können sich vorstellen, da muss man einiges aushalten. Und um das alles leisten zu können, bedarf es einer wirklich qualifizierten Fortbildung.

Wunsch 2: Ein weiterer Wunsch, den wir schon lange hegen, sind Diensthandys. Das würde vieles vereinfachen.

Wunsch 3: Die Mitarbeiter des KIT sind kurzfristig und zu jeder Zeit vor Ort, bei Bedarf auch mit mehreren Teams. Bisher fahren alle Teammitglieder mit ihrem eigenen PKW zum Einsatzort. Deshalb ist ein großer Wunsch für die Zukunft ein eignes Einsatzfahrzeug.

Bank: Sicher haben Sie Pläne für die Zukunft. Was sind die nächsten Projekte und Aktivitäten, die Sie angehen wollen und wozu werden Sie die Spende der Volksbank in der Ortenau einsetzen?

Lehnerer: Unsere Projekte decken sich mit unseren Wünschen und somit steht eigentlich auch schon fest, wofür wir die Spende einsetzen wollen. Zum einen eben für die weitere Ausbildung neuer Kriseninterventionshelfer und Helferinnen, denn wir brauchen dringend Menschen, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Zudem wollen wir in deren Einsatzkleidung, Ausrüstung und auch in Meldeempfänger investieren. Generell profitieren alle Mitglieder an weiteren qualifizierten hohen Weiterbildungen. Des Weiteren kommt die Spende unseren speziellen Büchern, die wir je nach Einsatz den Betroffenen (besonders Kindern) als Hilfestellung kostenlos überlassen, zu Gute. 

Bank: Vielen Dank Frau Lehnerer. Das KIT ist eine herausragende Einrichtung, von deren Existenz und Bedeutung in unserer Region leider noch immer zu Wenige wissen. Die ehrenamtliche Arbeit der Helfer erfordert vor allem ein hohes Maß an spontaner Verfügbarkeit und Belastbarkeit in schweren Krisensituationen, die wir selbst hoffentlich nur selten erfahren müssen. Es ist dennoch gut zu wissen und beruhigend, dass sich Ehrenamtliche in diesem Feld engagieren - dies verdient unsere höchste Anerkennung. Für die Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute.

Herzenssache 2019 - Interview mit Elke Wahl

Last but not least haben wir bei Elke Wahl von der TelefonSeelsorge Ortenau-Mittelbaden e.V. nachgefragt. Mit dem Projekt „Telefonseelsorge - Ansprechbar für Menschen in Krisen – rund um die Uhr“ ist die TelefonSeelsorge der „jüngste“ Gewinner des Herzenssache-Preises aus 2019.

Bank: Frau Wahl, die TelefonSeelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit rund um die Uhr an 365 Tagen – also das ganze Jahr erreichbar: Konkret heißt das: 2019 hatten die 72 Ehrenamtlichen der TelefonSeelsorge ca. 10.000 Kontakte am Telefon und ca. 600 im Chat, das sind durchschnittlich 29 Kontakte am Tag. Oft ist die Telefonseelsorge die einzige und letzte Möglichkeit, die Menschen sehen, um mit ihren sie belastenden Fragen und Situationen ein offenes Ohr zu finden. Die Intension der TelefonSeelsorge ist es, kompetent und anonym Menschen in Notlagen oder Krisensituationen Unterstützung anzubieten. Und dies für alle Menschen - unabhängig von Alter, Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einer der Kirchen, die sich in einer schwierigen, krisenhaften Situation befinden.

Bei der Preisverleihung haben Sie uns gesagt, dass es immer schwieriger werde, Ehrenamtliche zu finden, die bereit sind eine längere Ausbildung zu absolvieren und sich anschließend auch langfristig zu binden. Hat Ihnen der Gewinn der Herzenssache-Preis hier geholfen? Wie hat sich Ihre „Herzenssache“ seit der Preisverleihung entwickelt?

Wahl:  Die Preisverleihung ist für uns noch gar nicht so lange her und der Herzenssachenpreis hat der TelefonSeelsorge unheimlich gutgetan. Diese große öffentlich Würdigung verbunden mit dem Preis war eine wirklich sehr große Anerkennung für unsere Ehrenamtlichen und beim Verfassen des letztjährigen Jahresberichtes in den letzten Tagen haben wir noch einmal gemerkt, wie wichtig die Herzenssache für uns im Jahr 2019 war.

Wie die TelefonSeelsorge sich weiterentwickelt hat: wir konnten und können in der aktuellen Krisenzeit viel für andere da sein, da die TelefonSeelsorge schon immer in räumlicher Distanz versucht, anderen nahe zu sein und Halt zu geben.
Dabei ist es eine Aufgabe für unsere Ehrenamtlichen zu sorgen (viele Ehrenamtliche nutzen dieselben Arbeitsplätze), dass sie gute Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz vorfinden und auch trotz notwendigen Distanz Supervision erhalten können.

Eine andere Herausforderung ist die Ausbildung neuer Ehrenamtlicher, für die ja auch insbesondere das Preisgeld geplant war. Die neuen Wege, die wir beschreiten wollten, sind durch die Corona-Krise digitale Wege geworden. Die Ausbildung hat zunächst mit Videokonferenzen begonnen.

Bank: Es freut uns, dass Sie durch den Herzenssache-Preis Wertschätzung und Anerkennung erfahren durften. Aber sicher sind auch noch Wünsche offen – oder? Wenn Sie 3 Wünsche für Ihr soziales Projekt frei hätten – welche wären das?

Wahl: Da fallen mir spontan mehrere Wünsche ein.

Wunsch 1: Unser größter Wunsch ist es, immer gut für Ratsuchende da sein zu können – auf unterschiedlichen Kanälen und auch auf neuen Wegen. Auch wenn jetzt die Ausgangsbeschränkungen gelockert sind, ist eines sicher: Die Corona-Pandemie wird uns alle in unserem Alltag noch lange beschäftigen. Sie bleibt ein riesiger Stresstest. Viele Menschen entwickeln Ängste, sehen kein Licht am Ende des Tunnels, weshalb es gut ist, dass es den Dienst der TelefonSeelsorge weiter konstant gibt.

Wunsch 2: Wie schon gesagt: Wir brauchen viele Menschen, die sich dieser herausfordernden Aufgabe bei der TelefonSeelsorge stellen. Deshalb wünschen wir uns, dass wir eine ausreichende Zahl von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen gewinnen können.

Wunsch 3: Unseren Job können wir nur dann gut machen, wenn die Finanzen stimmen. Unser dritter Wunsch ist daher, unsere Arbeit für die nächsten Jahre solide finanziell abzusichern.

Bank: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Was sind die nächsten Projekte und Aktivitäten, die Sie angehen wollen und wozu werden Sie die Spende der Volksbank in der Ortenau einsetzen?

Wahl: Gedanklich beschäftigen wir uns bereits mit einer größeren Fortbildungsphase für unsere Ehrenamtlichen im nächsten Jahr. In diesem Jahr möchten wir einen Raum der Dienststelle verbessern, der für Besprechungen und Gruppenarbeit genutzt wird und bislang eine schlechte Akustik hat.

Ein weiteres Projekt ist die Anschaffung neuer Bürostühle für unsere Mitarbeitenden für den Seelsorge-Dienst, denn sie verbringen ja viele Stunden mit Zuhören am Telefon oder im Chat – dafür möchten wir gerne die Spende verwenden.

Bank: Das Engagement der Telefonseelsorge ist äußerst beeindruckend. Die Ehrenamtlichen sind bereit sich auf Menschen einzulassen, die mit ihren jeglichen Sorgen, Nöten und Ängsten auf sie zukommen. Sich dafür Zeit nehmen und zuhören zu können, den Menschen die Anonymität lassen, und mit dem Gehörten gut umgehen zu können verdient höchsten Respekt. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.


Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble

Quelle: Deutscher Bundestag / Achim Melde