Von Orientierungshilfen, Werten und Wirtschaft

Die renommierte Theologin Prof. Dr. Margot Käßmann zu Gast bei der Volksbank Offenburg

Offenburg. Sind Geld und Moral Gegensätze? Für die Theologin Margot Käßmann nicht. Bei den „Wirtschaftsgesprächen“ der Volksbank Offenburg in der Oberrheinhalle spricht die gebürtige Marburgerin über christliche Werte, den Reiz der Ökonomie und "Geiz ist geil"-Mentalität. Bei ihrem Vortrag „Was wirklich zählt. Christliche Werte in unserer Gesellschaft“ ist Margot Käßmann in ihrem Element. Kraftvoll und authentisch erzählte sie von den Werten des Christentums. Die Einladung der Volksbank habe die Theologin ohne lange zu überlegen angenommen. Für sie sei es gerade reizvoll, auch in nicht-kirchlichen Bereichen wie dem Wirtschafts- und Bankenwesen über christliche Themen zu sprechen.

Trotz enormer Austrittszahlen in den Kirchen suchten Menschen doch immer wieder Orientierung. Wo ist Orientierung, was gibt Halt? „Die Bibel ist ein Buch voller Lebensweisheiten“, sagt Käßmann. Darin findet man Antworten und mit ihr fünf Millionen Menschen, die jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen. Dass es im Vergleich dazu nur 700.000 Menschen sind, die in die Fußballstadien pilgern, veranlasst Käßmann zum augenzwinkernden Hinweis auf die „disproportionale Berichterstattung“ in den Medien. Die christlichen Werte böten Orientierung und dienen dem sozialen Miteinander. Gerade die zehn Gebote, die heute noch immer Relevanz hätten, bilden eine Grundlage des Vertrauens für das gemeinschaftliche Leben. In ihrem Vortrag ging es der Theologin aber nicht nur um die Werte der religiösen Gemeinschaft. Sie schlug vom Glauben und der Religion eine Brücke zur Ökonomie und den Banken. Hier stellt Käßmann fest: „Die Banken sind nicht gierig. Die Menschen sind es.“ Das Gleiche gilt auch für die Wirtschaft. Die Theologin fordert einen selbstkritischen Umgang mit Unternehmen und mit Geld und plädiert für eine „Ökonomie für das Leben“.

Sie meint damit ein wirtschaftliches Denken, dass die Potenziale aller wahrnimmt. „Wir brauchen eine Ethik des Genug, eine Ethik der Grenzen, die vielleicht glücklicher machen. ‚Geiz ist geil‘ ist doch kein Wert“, sagt Käßmann und sich einem langanhaltendem Applaus der über 1.000 Besuchern gewiss.

v.li. Markus Dauber, Vorstandsvorsitzender, Prof. Dr. Margot Käßmann, Moderator Pfarrer Norbert Großklaus und Andreas Herz, Vorstand.