Interview zur Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen in Italien

Offenburg, 08.06.2017

Viel diskutiert wird derzeit, ob die 1- und 2-Cent Münzen abgeschafft werden sollten, wie das bereits in den Niederlanden und jüngst in Italien der Fall ist. Unser Vorstandsvorsitzender Markus Dauber zu dieser Thematik im Interview.

Was halten Sie von der Abschaffung der 1- und 2-Cent  Münzen?

Die Abschaffung von Münzgeld ist die Entscheidung eines Landes. Dies bedeutet, dass Banken sich ebenso den Gegebenheiten anpassen müssen, wie die Endverbraucher.

Welche Vor- und Nachteile würden Sie bei einer Abschaffung sehen?

Einen Vorteil sehen wir darin, dass die Kosten für die Bargeldversorgung- und logistik sicher verringern würden. Ebenso die Bevorhaltung von Münzen wäre geringer.

Einige argumentieren für die Abschaffung, weil das Einzahlen der Münzen bei den Banken immer teurer werden würde und die Münzen selbst in Anschaffung und Material teurer seien als ihr tatsächlicher Wert. Ist dem tatsächlich so?

Wie viel kostet es, kleine Münzen bei der Bank einzutauschen?

Bei Einzahlungen von Münzen wird nicht nach kleinen oder großen Münzen entschieden, denn gezählt werden müssen sie alle. Vielmehr geht es nach Gewicht und nach dem Gesamtbetrag. So zahlen Firmen- und Privatkunden sowie Vereine beispielsweise 2 Euro für Bargeld, das lose in einem Safebag bis 4 Kilogramm der Bank gebracht wird.

Was kostet die Herstellung einer 1-Cent Münze (bzw. 2-Cent Münze)?

Die Kosten der Herstellung einer solchen Münze müssen bei Münzhersteller nachgefragt werden.

Es wird befürchtet, die Händler würden ihre Preise bei einer Abschaffung der Münzen einfach alle aufrunden und für Kunden könnte es dadurch teurer werden. Manch ein Händler sagt aber im Gegenteil, er würde dadurch Verluste machen. – was denken Sie dazu?

Wie die Händler reagieren, bleibt abzuwarten.

Manch einer behauptet, in 10 Jahre spiele Bargeld sowieso keine Rolle mehr und alle würden bargeldlos bezahlen – wäre das denkbar und was halten Sie davon?

Solange beim deutschen Einzelhandel noch jedes zweite Mal bar bezahlt wird, wird es auch in 10 Jahren noch Bargeld geben. Und es ist wie mit allem: die Kunden entscheiden, ob es ein Ende für das Bargeld geben wird. Sicher ist aber auch, dass der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs, wie z.B. mit der Kontaktloskarte oder dem Smartphone zunehmen wird. Die Volksbank in der Ortenau zählt mit ihren Tochterunternehmen zu den größten Zahlungsverkehrsabwicklern im kartengestützten Bezahlen innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes. Als innovative Bank sind wir fest davon überzeugt, dass jeder sich in seinem Umfeld der Digitalisierung aktiv stellen muss. Dazu gehört es auch, neue Wege zu gehen.

Interviewpartner: Markus Dauber, Vorstandsvorsitzender Volksbank in der Ortenau eG